Stechlin summt und brummt!

eine Aktion des Fördervereins Naturlandschaft Stechlin und Menzer Heide e. V. in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und mit Unterstützung des Dorfvereins Menz e.V.

Dramatischer Insektenrückgang ist in aller Munde!

Die Nachricht ist alarmierend: um bis zu 80% sind die Insekten in Deutschland in den letzten 10 Jahren zurückgegangen. Betroffen sind u.a. Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen. Auch im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land ist der Insektenschwund längst angekommen. Selbst Allerweltsarten wie Kohlweißling und Tagpfauenauge sind betroffen.

Insekten sind die vielfältigste, aber auch kaum beachtete Tiergruppe. Dabei sind Insekten überlebenswichtig für uns! Durch die Bestäubung von Pflanzen sichern sie die Grundlage unserer Ernährung. Sie sind wichtiger Baustein in der Nahrungspyramide. So dienen sie u.a. unseren Singvögeln und Fledermäusen als Hauptnahrungsquelle.

 

Worin liegen die Gründe für den Insektenrückgang?

Die Gründe für den Rückgang der Insekten sind vielfältig:

- Flächenverlust durch Versieglung; täglich wird in Deutschland eine Fläche von ca. 66 ha (24.000 ha/Jahr) neu versiegelt, die den Insekten und anderen Tier- und Pflanzenarten nicht mehr als Lebensraum zur Verfügung steht

- Verlust von wichtigen Strukturen in der Landschaft; so wurden in den letzten Jahrzehnten Strukturen wie Ackerrandstreifen, Feldwegeränder, Hecken, Böschungen, Waldränder und Saumbiotope als Rückzugs-, Entwicklungsräume und Nahrungsquellen für Insekten in erheblichem Umfang reduziert

- Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft führt zu direktem Verlust von Insekten (Insektizide) bzw. zum Verlust von Nahrungspflanzen für insekten (Herbizide)

- der zunehmende Einsatz hochwirksamer Insektizide, wie Neonicotinoide beeinflusst nicht nur Insekten, sondern auch andere Artengruppen bis hin zum Menschen negativ

- zunehmende Eutrophierung der Landschaft durch Stickstoffeintrag aus der Landwirtschaft, so werden allein in Niedersachsen pro Jahr 60 Mio Tonnen Gülle, Mist und Gärreste aus Biogasmasse ausgebracht; deutschlandweit besteht aktuell ein Stickstoffüberschuss im Offenland von rund 97%; dadurch reduziert sich das Spektrum der Pflanzenart auf wenige stickstoffverträgliche oder stickstoffliebende Arten – entsprechend gering ist die Artenvielfalt der Insekten

- naturferne Gärten mit Golfrasen, Mosaiken aus Kies anstelle blühender Hecken und Gärten bieten Insekten kaum Lebensraum

- künstliche Lichtquellen führen zu steigender Lichtverschmutzung und stören erheblich den Lebensrhythmus und das Fortpflanzungsverhalten nachaktiver Insekten

- durch Umwandlung von Grünland in Acker finden Insekten weniger Nahrungs- und Lebensraum

- durch den Klimawandel wandern wärmeliebende Arten von Süden her ein (Arealverschiebung), kälteliebende werden verdrängt; Nahrungsketten verändern sich, Erkrankungen von Insekten nehmen durch milde Winter und niederschlagsreiche Sommer zu

 

Was kann jeder von uns gegen das Insektensterben tun?

- durch den Kauf von Bio-Lebensmitteln können wir eine Landwirtschaft unterstützen, die ohne Einsatz von Insektengiften auskommt

- giftfreies Gärtnern im eigenen Garten - naturnahe und blütenreiche Gärten und Parkanlagen sind wichtige Rückzugsgebiete für Insekten

- Reduktion der Außenbeleuchtung auf das unbedingt notwendige Maß unter Verwendung insektenfreundlicher Leuchtmittel

- die Anlage von blütenreichen, nur zwei- bis dreimal pro Jahr gemähten Wiesen anstelle monotoner Zierrasen in öffentlichen Grünanlagen schafft Insektenlebensraum (Grundsatz: erst blühen lassen, dann mähen!)

- Flächenrecycling statt Neuversieglung sowie Verdichtung von Innenbereichen statt Ausweisung von Bebauungsgebieten auf der grünen Wiese erhält Insektenlebensräume

- Neuanlage von Blühstreifen und blütenreicher Hecken, Saumbiotope und Feldgehölze in der Offenlandschaft; wenn jeder Landwirt 1% seiner Ackerfläche dafür bereitstellt, ist ein Anfang gemacht!

- Erhöhung des Anteils der biologisch bewirtschafteten Fläche, die lt. EU-Bio-Verordnung pestizidfrei bewirtschaftet werden muss

- deutliche Reduktion des Pestizideinsatzes in der konventionellen Landwirtschaft

- pestizidfreie Bewirtschaftung aller Flächen im kommunalen Eigentum durch entsprechende Beschlüsse der Gemeindevertretungen und Ausgestaltung der Pachtverträge

- Unterstützung von Eigentum, Pacht und Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen durch lokale Landwirte anstelle von land grabbing

- Anlage von Blühflächen auf Wildäckern und –wiesen im Wald

- Bau von Insektenhotels und Anlage von Blühwiesen an Kitas und Schulen im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Gebiet

  • Naturpark Stechlin-Ruppiner Land

Meldung vom 12.04.2019