Neulandgewinner im Naturpark!

Neulandgewinner. Zukunft gewinnen vor Ort ist ein Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung. Alle zwei Jahre erhalten bis zu 20 von einer Jury ausgewählte Personen eine finanzielle Förderung im Gesamtwert von jeweils rund 50.000 Euro zur Umsetzung ihrer Neulandgewinner- Idee.

Ziel ist die Stärkung der Zivilgesellschaft insbesondere im ländlichen Raum in Ostdeutschland. Im Förderzeitraum begleiten Mentoren des Thünen-Instituts die Teilnehmer, vernetzen sie untereinander und über die Grenzen des Programms hinaus mit Akteuren und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die Umsetzung des Programms liegt beim Thünen-Institut.

Zwei dieser Gewinner haben ihre Wirkungsstätten in unserem Naturpark.

Ackern, Ernten, Essen - die essbare Schule

Kinder, die auf dem Land aufwachsen, kennen sich aus in der Natur. Daran hatte die gelernte Gärtnerin Katrin Wagner keinen Zweifel. Doch die Schnitzeljagd, die sie während eines Kindergeburtstages veranstaltete, führte zu einer überraschenden Erkenntnis. „An einem See sollten die Kinder sagen, welche Fische darin leben“, erinnert sie sich. Die Gäste aus Berlin wussten: Barsch und Hecht. Den Kindern aus der Region waren die Fische jedoch fremd. Ihre Antwort: Hai und Delfin. Ein AHA-Erlebnis für Wagner: „Kinder können naturnah aufwachsen und trotzdem keinen Bezug zu ihrer Umwelt haben.“

Mit ihrem 2015 gegründeten Verein SOLANUM vermittelt sie deswegen unter anderem in Schulen und Kitas praktisches Wissen über die Herkunft und Entstehung lokaler Lebensmittel. Grundlage dafür ist das schulbegleitende Bildungsprogramm der GemüseAckerdemie Potsdam.

Mit Zweitklässlern der Grundschule Rheinsberg, deren Lehrerin Annett Welzien und dem ehrenamtlichen Mentor Marc Marquardt bepflanzte Wagner ein Beet mit 25 Gemüsesorten, das diese seitdem zweimal pro Woche pflegen und ernten.

Ihre Erfolge stellten die Kinder während des ebenfalls vom Verein in der Stadt initiierten, viertägigen kulinarischen Solanum-Festivals vor. Als nächstes möchte Wagner mit Schülern einen Schulgarten, das Schulgelände und die daran angrenzenden Brachen eines Wohnquartiers beackern, damit den Rheinsberger Kindern bald niemand mehr einen Rotkohl für eine Rübe vormachen kann.

HEIMATschule Menz – Wir lassen die Zukunft im Dorf

Heimat kann man selber machen... Menz ist ein Bilderbuchdorf im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, umgeben von Wald und Seen. Der eigentliche Schatz des Dorfes aber sind seine Menschen, ihre Kreativität und Talente. Das wurde den Menzern vielleicht erst richtig klar, als sie aus der geplanten 725-Jahrfeier 2015 einfach ein ganzes Feierjahr machten. Mario Ledderhose, damals noch recht neu im Ort, schloss sich dem Festkomitee an.

Unterschiedliche Menschen, viele Ideen: Eine Ausstellung in der Kirche illustrierte 125 Jahre Dorfleben anhand von Bildern aus privaten Fotoalben. Bei einer Schatzsuche kreuz und quer durch das Dorf erlebten Kinder es aus ganz ungewohnten Perspektiven. Und beim „Picknick in Weiß“ tafelte das Dorf einen Nachmittag lang auf dem Friedensplatz. Das gemeinschaftliche Tun habe dem Dorfleben neuen Schwung gegeben, sagt Mario Ledderhose: „Wir sahen, wie leicht man Dinge um sich herum verändern kann, wenn viele zusammen an einem Strang ziehen.“ Um das zu bewahren, gründete sich der Dorfverein Menz.

In den Klassenräumen der alten Schule und im Internet will der eine Anlaufstelle für alle Menzer schaffen. Als „Möglichkeitsplattform“ soll sie die Lust am Selbermachen wecken. Wer Unterstützung sucht, seine Ideen umzusetzen, findet sie hier. Werkzeuge und Geräte etwa, die nicht jeder hat oder ständig braucht, werden hier geteilt. Interessieren sich Leute für ein Thema, von Filmschnitt bis Wohnen im Alter, werden Experten und der Rahmen organisiert, in dem alle mit- und voneinander lernen können. Und hat mal wieder jemand eine Idee für eine tolle Veranstaltung, findet er hier den Raum und ganz bestimmt auch Gleichgesinnte. Bis zum nächsten Dorfjubiläum will in Menz nämlich keiner mehr warten.